Geschichte der Alten Apotheke
Die Alte Apotheke in Bremervörde wurde am 24.03.1626 gegründet.
Unter diesem Datum erteilte der Erzbischof Johann Friedrich von Bremen dem Apotheker Caspar Rumpff das Privileg zur Errichtung einer Apotheke in Vörde. Sie ist damit die dritt- oder viertälteste Apotheke in der Region nach Apotheken in Stade und Otterndorf.
Es verwundert nicht, dass Bremervörde so früh eine Apotheke erhielt; hier befanden sich die Regierung des Erzstifts Bremen und die befestigte Residenz des Landesherren, des Bremer Erzbischofs, der vermutlich auch wegen der häufig grassierenden Seuchen – 1612 war gerade eine große Pestepidemie – die Gründung einer Apotheke für notwendig erachtete.
Der damalige Standort der Apotheke wird mitten im Ort in Schlossnähe, vermutlich Großer Platz oder östliche Alte Straße gewesen sein.
Die Wirren des dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) und die immer wiederkehrenden Belagerungen des Schlosses – 1626 besetzte König Christian IV von Dänemark das Schloss, 1627 wurde Bremervörde durch die dänischen Truppen zerstört, 1628-1632 besetzten Truppen der katholischen Mächte das Erzstift Bremen, 1632 wurde Bremervörde von schwedischen Truppen eingenommen – lassen bis 1730 keine exakte Chronologie der Apotheke zu.
Wie lange Caspar Rumpff in Bremervörde lebte, lässt sich nicht genau feststellen. Sicher ist, dass er 1633 Inhaber der Apotheke in Glückstadt auf der anderen Seite der Elbe war.
1651 taucht für die Bremervörder Apotheke der Name des Apothekers Hinrich Wegehausen auf. Ob er der unmittelbare Nachfolger des Caspar Rumpff war, bleibt auf Grund der wenigen Überlieferungen vage. Sein Name begegnet uns noch 1670. In diesem Jahr verkaufte er der St. Liborius Kirche mehrmals Oblaten für das Abendmahl.
1671 ist Dr. med. Joh. Praetorius als Besitzer der Apotheke verzeichnet. Er war gleichzeitig Arzt der Garnison der von den Schweden angelegten Handelsniederlassung Carlsburg an der Geestemündung.
1681 kaufte der Apotheker Röttjer Kieff aus Stade ein Haus in Bremervörde. Er erscheint häufig als Lieferant von Oblaten, Olivenöl und gelbem Wachs an die Kirche. 1692 verstarb er. Von 1696 bis 1715 lässt sich die Existenz des Apothekers Eberhardt König aus Anklam in Bremervörde nachweisen.
Es soll in dieser Broschüre die Apotheke im Mittelpunkt stehen. Aber nichts lebt ohne sein Umfeld (s.o. die unruhige Zeit im 17. Jahrhundert in Bremervörde) und seine Umgebung. 1626 wird Neu-Amsterdam –das heutige New York - gegründet, die Peterskirche in Rom erhält nach 120-jähriger Bauzeit ihre Schlussweihe. In dieser Zeit wird das Jagdschloss in Versailles fertig gestellt; der Auerochse in Europa stirbt aus.
Vom 13.03.1730 an kommt dann mehr Transparenz in die Apothekengeschichte.
Mit diesem Tag wurde der Apotheker Johann Wilhelm Seidler von Ihrer Königlichen Majestät von Groß Britanien und Churfürstlichem Durchlaucht zu Braunschweig und Lüneburg das Privileg erteilt. Als Besonderheit wurde ihm zugesichert, dass im Umkreis von 2 Meilen keine weitere Apotheke zugelassen würde. Seidler besaß die Apotheke bis 1747.
Am 06.03.1747 wurde das Privileg zur Fortführung der Apotheke von der Regierung in Stade an den aus Fürstenau stammenden Apotheker Johann Hinrich Krüger übertragen. Dieser kaufte Frau Seidler das Wohnhaus, die Offizin und den Garten für 750 Reichstaler ab. Dieses Anwesen, in der sich die Apotheke bis 1823 befand, lag in der Alten Straße Nr.75 gegenüber der Volksbank, wohl zwischen Adami und Facktor.
Nach dessen Tod 1757 heiratete Krügers Witwe 1759 den Apotheker Wilhelm von Aschen, der die Apotheke vom 18.04.1759 bis zu seinem frühen Tod am 27.09.1761 führte.
Nachfolger wurde zunächst als Verwalter, dann ab 25.02.1765 als Inhaber des Privilegs zur Leitung der Apotheke Hieronymus Wolters aus Hamburg, der 1768 die Witwe von Aschen heiratete. Mit ihm beginnt die Familientradition; seit 1765, also seit 236 Jahren, befindet sich die Apotheke im Familienbesitz. Hieronymus Wolters leitete die Apotheke bis zu seinem Tod am 04.04.1816 über 50 Jahre.
Was geschah um uns herum? 1716 übernachtete Zar Peter der Große während des Krieges mit Schweden im Amtshaus, dem Nordostflügel des alten Kreishauses, auf einer Reise von Lübeck nach Frankreich. 1757 waren die bedeutendsten Gewerbe in Bremervörde Bierbrauereien und Branntweinbrennereien. Es gab neun Brauereien! Auch um Arbeitsplätze ging es. Es gelang nicht die Seidenraupenzucht um 1791 einzuführen und die Schafhaltung war ebenfalls ein unrentabler Wirtschaftszweig, gab es doch nur 247 „Schafshäupter“.
Der Siegeszug der Kartoffel beginnt. Anfangs vergiften sich viele Bauern, da sie die giftigen Früchte statt der Knolle verzehren. 1766 wird der Wasserstoff entdeckt.
Doch nun zurück zu Hieronymus Wolters.
Er stand sich, so wird berichtet, auch durch Erbschaften seiner Frau, finanziell sehr gut. Nach ihrem Tod – Kinder aus dieser Ehe gab es nicht - verheiratete er sich 1794 neu. Aus dieser zweiten Ehe stammten ein Sohn und eine Tochter. Der Sohn Johann Hieronymus erlernte den Beruf des bereits verstorbenen Vaters in verschiedenen Apotheken und von 1821 – 1823 im Studium in Göttingen, wo ihm unter anderem „rühmlichster Fleiß“ und „sehr lobenswertes Betragen“ attestiert wurden. Bis zur Beendigung des Studiums im Jahre 1823 verwaltete der Provisor Mühlenhoff die Apotheke.
Während der Studienzeit ihres Sohnes erwarb Frau Wolters das Anwesen in der Neuen Straße und ließ das jetzige Haus im Empirestil erbauen. Es musste auf Anordnung des Maire de Commune Bremervörde zwecks Schaffung repräsentativer Räume so groß gebaut werden. Es wurde 1823 fertiggestellt. Es ist belegt, dass im September 1873 ein Festessen mit Ball zu Ehren des Generalfeldmarschalls Graf Moltke sowie andere Festlichkeiten der Honoratioren in diesen Räumen im 1. Stock der Apotheke stattfanden.
Bremervörde zählt zu dieser Zeit 1801 689 Einwohner, 1821 1611 und 1848 schon 2821 Einwohner. 1843 gibt es das erste Vogelschießen der späteren Bremervörder Schützengesellschaft und die ersten Straßenlaternen in Bremervörde. 1852 wird Bremervörde Stadt. 1853 erscheint in Bremervörde eine Zeitung, 1892 wird das neue Krankenhaus in der Flutstraße fertiggestellt und 1898 wird die Eisenbahnstrecke Stade – Bremervörde in Betrieb genommen.
1822 gründen in Amerika freigelassene Sklaven den Staat Liberia, es gibt den Portland Zement, der erste Karnevalsumzug in Köln findet statt. 1823 Verkündigung der Monroe Doktrin.
Der Woltersche Besitz an der Alten Straße wurde im März 1827 an den Bäcker Christoph Butt für 1066 Reichstaler verkauft und in Raten an Wolters gezahlt. Später ging der Besitz in das Eigentum des Bäckers Balcke über. 1905 brannte das Haus ab.
Das Jahr 1823 war bedeutsam für die Apotheke:
1. das neue Haus wurde fertiggestellt,
2. Johann Hieronymus Wolters kehrte nach bestandenem Examen in Göttingen nach Bremervörde zurück und übernahm die Apotheke, die von der Alten in die Neue Straße verlegt wurde.
Johann Hieronymus Wolters bekam das Privileg zur Fortführung der Apotheke am 07.06.1830 von der Königlich Großbritannischen Landrostei in Stade verliehen. Er leitete sie bis zu seinem Tod am 13.06.1877, wie sein Vater über 50 Jahre!
Sein Nachfolger wurde sein Sohn Georg Nikolaus, der am 18.09.1834 in Bremervörde geboren wurde, die Konzession zur selbständigen Führung der Apotheke am 16.08.1878 erhielt und sie bis zum 01.10.1901 leitete.
Aus seiner Ehe mit der Nachbarstochter Emmy Johanne Louise Lisette Daetz gingen fünf Töchter hervor. Die zweite – Friederike Mathilde, geb. am 10.09.1875 – heiratete am 12.02.1898 den Apotheker Hermann Friedrich Heinrich Dedecke, Sohn des Bürgermeisters von Rotenburg. Nach dreijähriger Leitung einer Apotheke in Friedrichsort bei Kiel übernahm er am 02.10.1901 die Bremervörder Apotheke seines Schwiegervaters und führte sie bis zum 30.10.1947.
Er war viele Jahre Senator der Stadt Bremervörde und versah öffentliche und berufspolitische Ehrenämter. Nach ihm wurde die Friedrich Dedecke Straße in Bremervörde benannt. Nach seinem Tod ging die Apotheke bis zum 15.11.1969 in den Besitz seines Sohnes Walter über, der, aus dem Krieg zurückgekehrt, aus gesundheitlichen Gründen mehrfach verpachten musste.
1902 wurde die Bahnstrecke Bremervörde – Buchholz eröffnet, 1908 die über Zeven nach Rotenburg. 1910 gab es die erste kinematographische Veranstaltung in Bremervörde.
1901 wird Theodor Roosevelt der 25. Präsident der USA. Die ersten Nobelpreise werden verliehen ( Konrad Röntgen – Physik; Adolph von Behring – Medizin). Der erste Motorflug der Geschichte findet statt, der Staubsauger, die elektrische Schreibmaschine und der Rasierapparat werden erfunden. Die Schwebebahn in Wuppertal wird in Betrieb genommen.
Seit dem 15.11.1969 gehört die Apotheke dem jetzigen Inhaber Carl Ferdinand Kotthaus, der die einzige Tochter des Walter Dedecke und seiner Frau Marie Helene – Ursula – heiratete. Er baute die Alte Apotheke in den Jahren 1971 und 1992 unter Wahrung der langen Tradition zu dem jetzigen Erscheinungsbild um.
Die Alte Apotheke blickt am 24. März 2001 als eine der ältesten Apotheken im Elbe – Weser – Dreieck auf eine 375 jährige Geschichte und 236 Jahre währende Familientradition zurück und hoffentlich trotz gesundheitspolitisch rauer gewordener Rahmenbedingungen in eine gute Zukunft. |